Das Haiku ist die kürzeste Gedichtform der Weltliteratur und kommt aus Japan. In der deutschsprachigen Dichtung tritt es veröffentlicht erstmals 1925 auf und entwickelt sich insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Seine Grundlagen sind untrennbar mit der österreichischen Schriftstellerin Imma Bodmershof (gelegentlich auch von Bodmershof) verbunden, die 1962 ihren ersten Haiku-Band veröffentlichte. Dieses Buch gilt bis heute als das eigentliche Fundament der deutschsprachigen Haiku-Dichtung.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Haiku sowohl von etablierten Lyrikerinnen und Lyrikern (bspw. H. C. Artmann, Sarah Kirsch, Durs Grünbein, Jan Wagner) aufgegriffen als auch in einer auf das Haiku spezialisierten Szene gepflegt. Während in der Lyrik oft die kurze Form mit Techniken der westlichen Dichtung verbunden wird, orientieren insbesondere Angehörige der Haiku-Szene sich nicht selten an japanischen Kernmerkmalen des Haiku. Neben der klassischen Form aus drei Zeilen zu fünf, sieben und fünf metrischen Einheiten (Moren im Japanischen, Silben im Deutschen) sind dies das Jahreszeitenwort (japan. kigo), der leere Raum (yo-haku), der Nachklang (yoin), die Verwendung von zwei (tori-awase) bzw. einem einzigen Motiv (ichibutsu-jitate) sowie das gegenwärtige, konkrete Bild und das Vermeiden abstrakter Begriffe. Dabei gibt es, wie auch in Japan, sowohl eine Strömung, die sich am klassischen Haiku orientiert als auch eine, die vorwiegend Haiku im freien Stil dichtet und dabei nicht selten die Grenze zum reinen Kurzgedicht überschreitet.

Moritz Wulf Lange beschäftigt sich seit 2018 verstärkt mit dem Haiku. Als Ergebnis seiner Arbeit erschienen Fachartikel in verschiedenen Zeitschriften, darunter 2024 in der Zeitschrift für Germanistik. Sein Personenlexikon zur deutschsprachigen Haiku-Dichtung versammelt nicht nur biographische Skizzen zu zahlreichen Dichterinnen und Dichtern, sondern bietet auch einen Überblick zur Haikudichtung im deutschsprachigen Raum. Daneben wurden von Moritz Wulf Lange bisher über 200 Haiku in Zeitschriften und Anthologien u.a. in Deutschland, Österreich und Japan veröffentlicht.